Kuba 2014

Weiß gekleideter Schwarzer spielt Posaune
Lazaro spielt am Hafen von Havanna
für die vorbeiflanierenden Touristen.
Meine Frau und ich sind begeisterte Salsatänzer und spielten schon lange mit dem Gedanken, mal Urlaub in Kuba zu machen. Im Club, auf Konzerten, beim Tanzen, immer wieder trafen wir Salsa-Fans, die nicht selten mehrmals dort waren und uns etwas vorschwärmten. Neid und Neugierde ließen uns keine Ruhe. Anfang 2014 buchten wir kurz entschlossen einen Flug nach Havanna. Für uns ein aufregendes Abenteuer: zum ersten Mal über den Atlantik, und dann gleich nach Kuba.

Mythos Kuba

Kuba strahlt eine eigenartige Faszination aus. Auf den ersten Blick verbirgt sich die Insel hinter einem exotischen Dickicht aus Klischees á la Buena Vista Social Club. Klischees, die von den Kubanern selbst sorgsam gepflegt werden, zumal im touristischen Sektor. Doch dahinter steckt ein äußerst vitales, eigenständiges kulturelles Leben. Wie überall in Lateinamerika haben europäisch-spanische, afrikanische, einheimisch-indianische und sogar chinesische Elemente eine brodelnde Mischung hervorgebracht.


Riesige Ikone des Gran Lider, Plaza de la Revolución
Riesige Ikone des »Gran Lider«
an der Plaza de la Revolución.

Noventa milias

Noch etwas ist allen lateinamerikanischen Ländern gemeinsam: Sie existieren im Bannkreis der Weltmacht USA und sind gezwungen, ihre junge Kultur gegen den großen Nachbarn zu behaupten. Dieser übermächtige Einfluss war in Kuba schon immer besonders stark zu spüren. Noventa Milias – 90 Meilen – heißt eine CD, die Gloria Estefan 2007 aufnahm. Gerade mal 90 Meilen trennen Miami und Havanna. Bei dieser gefährlichen Nähe ist es nur konsequent, dass Kuba die Abgrenzung gegenüber dem American Way of Life auf die Spitze getrieben hat. Revolution und Kommunismus, Fidel Castros phänomenale Erfolge, das ist alles Ausdruck eines radikalen Selbstbehauptungswillens.


Fahrdfahrer, Haus mit Aufschrift America, Camagüey
Wenn wir Amerika sagen, meinen wir oft USA, eine Ansicht,
die Kubaner ganz und gar nicht teilen. Haus in Camagüey.

Was haben wir damit zu tun?

Die westliche Welt nimmt mehr und mehr angloamerikanische Züge an: überall die gleichen Filme, die gleichen Marken, Filialen der gleichen Ketten, die gleichen Hits. Diesem Einerlei hat die Latino-Kultur noch etwas entgegenzusetzen. Eine Nische, die sich allen, die dem Mainstream entfliehen wollen, zur Identifikation anbietet. Und im Fall von Kuba kommt noch die Sympathie für den Schwächeren hinzu, für den frechen David, der sich gegen den großen Goliath durchsetzt.

Vom 19. Mai bis 11. April 2014 reisten wir mit dem Bus kreuz und quer durch Kuba. Übernachtet haben wir fast ausschließlich in casas particulares (Privatpensionen). Auf diese Reise
möchten wir Euch gerne mitnehmen: eine gute Gelegenheit, dem kubanischen Gegenentwurf zum angelsächsischen Kapitalismus nachzuspüren, dem sabor cubano.

Graffito auf Wand, Kubas Fahne und Wappen, Nationalhymne, Tocororo, Königspalme, Mariposa Blanca

Stationen unserer Kubareise







Rechts: Graffito auf einer Wand in Camagüey. Zwischen Fahne und Wappen die Nationalhymne Kubas, darunter die nationalen Symbole Tocororo, Königspalme und Mariposa Blanca, eine einheimische Jasminart. »26« spielt auf den 26. Juli 1953 an, den Tag des Sturms auf die Moncada-Kaserne. Das Ereignis wird als Nationalfeiertag begangen.

Kommentare:

  1. Eure Reise hört ich toll an. Ich kann leider kein Salsa tanzen, aber habe mi fest vorgenommen eine Stunde Unterricht in Havanna zu nehmen wenn ich dort bin :) Santiago de Cuba steht auch fest als Ziel fest :)

    Liebe Grüße,
    Martin

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    1. Havanna ist natürlich ein unbedingtes Muss, aber Santiago de Cuba bietet im Grunde genauso viel. Das Problem ist, dass die beiden Städte so weit auseinander liegen: 870 Kilometer, eine Strecke kostet mit Viazul 51 Dollar und Du bist ca. 15 Stunden unterwegs, da bietet sich übrigens eine Nachtfahrt an. Vielleicht gibt es erschwingliche Gabelflüge, das würde ich an Deiner Stelle mal probieren.

      Ich wünsche Dir viel Spaß, alles Gute
      Martin

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  2. Hallo Martin,

    danke für die interessante Einführung in eure Reise! Ich habe schon seit langer Zeit Lust auf Kuba und hoffe, dass es dann Anfang 2017 endlich klappt! Dann werde ich mit Sicherheit hier nochmal nach euren Tipps schauen und mir was abgucken ;)

    Ich liebe Salsa und lateinamerikanische Tänze generell. Auf meiner Bucket List steht auch, einmal auf Kuba mit einem Fremden mitten auf der Straße Salsa zu tanzen. Mal sehen, ob das dann auch passiert :D

    Liebe Grüße
    Barbara von Barbaralicious

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    1. Hallo Barbara,
      Dein Kommentar motiviert mich, weiterzumachen. Wir waren nämlich 2016 ein zweites Mal in Kuba und ich habe noch Posts zu Viñales, Cienfuegos und Varadero in Arbeit. Übrigens, Deine Chancen auf der Straße mit irgendjemandem Salsa zu tanzen stehen nicht schlecht, solche Situationen ergeben sich recht oft. Darin liegt ja auch der Charme von Kuba.
      Alles Gute,
      Martin

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